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Mitleidsprotokoll

– every tear recorded

Eine Collage nach Hervé Guibert

Hervé Guibert arbeitet sich in seinen Texten, Fotografien und Dokumentarfilmen Ende der 1980er-Jahre auf einzigartige Weise an seiner Aids-Erkrankung und an der seiner Mitmenschen ab. In seinen Texten verbindet er radikale Ehrlichkeit – die Offenlegung aller Geheimnisse, das Buchführen über jede Träne – mit einer zutiefst persönlichen Selbstreflexion: Was kann es bedeuten, in aussichtslosen Zeiten zu schreiben, zu fotografieren, zu dokumentieren? Was kann es bedeuten, sich selbst schonungslos zu veröffentlichen und damit zu verewigen?

Ruben Müllers Abschlussinszenierung widmet sich den Texten Guiberts, die ohne Happy Ends auskommen müssen. Sie deswegen zu vergessen, ist keine Option. Welche Rolle also können sie heute im Erinnern und Träumen für unser (queeres) Leben spielen? „Mitleidsprotokoll – every tear recorded“ stellt sich dem Paradox, dass unsere Vorstellungen von einer gerechteren, freieren Zukunft aus Erinnerungen von Schmerz, Stigmatisierung und Verlust erwachsen müssen.

  • © Sima Dehgani

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    Julius Gruner

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    Elisabeth Nittka

    Regie & Text: Ruben Müller

    Dramaturgie: Paulina Wawerla

    Bühne & Video: Chloe Kelly

    Kostüme: Jacqueline Elaine Koch

    Mentorat: Matthias Günther

    Mit besonderem Dank an Matthes & Seitz, Gallimard und Hinrich Schmidt-Henkel.

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    Konstantin Schumann

    © Sabrina Lößl-Lamboy

  • Im Zentrum von Ruben Müllers Abschlussinszenierung “Mitleidsprotokoll – every tear recorded” steht das Werk des französischen Autors, Fotografen und Filmemachers Hervé Guibert, der von 1955 bis 1991 in Paris lebte und arbeitete. 

    Guiberts Schreiben ist untrennbar mit der Erfahrung seines HIV-positiven Körpers verbunden, der sich in einem Klima aus Stigmatisierung und politischer Arroganz wiederfindet. Hervé Guiberts Texte sind Zeugnisse eines Überlebens auf Zeit, radikal persönlich, unerschrocken direkt und zugleich von einer formalen Klarheit geprägt, die Krankheit nicht sentimentalisiert, sondern sichtbar macht. Schreiben, fotografisches und filmisches Dokumentieren werden für Guibert zu Strategien des Widerstands gegen das Verschwinden.

    In Guiberts autofiktionalen Texten greifen reale Beziehungen und literarische Schöpfung unmittelbar ineinander. Reale Personen wie der Philosoph Michel Foucault werden in seiner Geschichte zu „Muzil“, die Schauspielerin Isabelle Adjani zu „Marine“ und Guiberts Partner Thierry Jouno zu „Jules“. Aber Guiberts Geschichten sind keine Tatsachenberichte, die einen Faktenchecke bestehen könnten – oder wollten. Er schreibt aus seiner eigenen Situation heraus über die Menschen und Ereignisse, die ihn umgeben. Diese poetisch-fragile Realität zu erforschen, ist eines der Interessen unserer Produktion.

    Unsere Inszenierung arbeitet mit einer Collage aus den Romanen “Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet” (1990) hat, “Mitleidsprotokoll” (1991) und dem Krankenhaustagebuch “Zytomegalievirus” (1991). Zudem werden essayistische Gedanken Guiberts zur Fotografie – der Möglichkeit und Unmöglichkeit, der Ewigkeit und Vergänglichkeit von Fotografien –  in den Abend mit eingeflochten. Die für die Produktion erarbeitete Collage folgt dabei nicht ausschließlich der Handlung der literarischen Figur “Hervé”, sondern thematisiert die Texte als Material – ihre Entstehung, ihre Veröffentlichung, ihre Rezeption und ihre Funktion. Was bedeutet es, das eigene Leben und das der anderen öffentlich zu machen? 

    Zu Beginn begegnen wir zwei zentralen Bezugspersonen: dem Philosophen “Muzil” und Hervés Jugendfreundin “Marine” – Herves literarische Versionen von Isabell Adjani und Michel Foucault. Vor dem Hintergrund der beginnenden AIDS-Krise schildert Guibert eine Zeit großer Verunsicherung, in der sich die Krankheit rasant ausbreitet und mediale Fehlinformationen und Schmutzkampagnen aufkommen.

    Im zweiten Teil wird Hervé selbst von der Krankheit eingeholt: Er trauert um einen verstorbenen Freund und erhält seine HIV-Diagnose. Sein Alltag wird von nun an von Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten bestimmt, während er mit dem “Mitleidsprotokoll” (1991) seine literarische Methode radikalisiert und eine nüchterne, klagende Chronik eines versagenden Körpers schafft. 

    Im dritten Teil rückt sein soziales Umfeld stärker in den Fokus. Hervé verfolgt den Wunsch, einen Dokumentarfilm zu drehen, und dokumentiert seine Begegnungen mit Freund*innen und Familie und seine Arztbesuche. Dabei wird er immer wieder mit den Reaktionen auf seine schonungslose Selbstoffenbarung konfrontiert.

    Sein letztes Buch, das autofiktionale Krankenhaustagebuch “Zytomegalievirus” (1991), geschrieben innerhalb von 22 Tagen, bündelt Beobachtungen, Angst und Wut zu einem Bewusstsein am Rand des Verschwindens. Zweieinhalb Monate nach dem letzten Eintrag verstirbt Hervé Guibert.

    Chloé Kelly gestaltet das Bühnenbild als eine Art Mobile, der sich aus Fotografien von Hervé und seinen Freund*innen zusammensetzt. Jacqueline Elaine Kochs Kostümdesign bewegt sich zwischen dem französischen Chic der 1980er und 1990er Jahre – Sakkos, legeren Anzughosen, Loafers – und einer zweiten, abstrakteren Ebene: Ausgangspunkt ist dabei die Frage: Wie kann Krankheit an einem gesunden Körpern erzählt werden? Soll sie überhaupt erzählt werden? Aus dieser Suche entstanden ist der Entwurf einer „Second Skin“ – eine zweite Haut aus Stretchtüll bedruckt mit grafisch-verfremdeten Fotografien, welche über die eigene (erste) Haut getragen wird. So markieren die Kostüme Distanz und Reflexion zugleich, ohne unmittelbare Verkörperung oder Imitation von Krankheit anzustreben.

    In Ruben Müllers Arbeiten kommt die Live-Kamera oft zum Einsatz. Zum einen als Medium der Dokumentation und zum anderen als Mittel, die subjektive Perspektive von Autor*innenschaft deutlich zu machen. Sie verschiebt Blickachsen, markiert und kommentiert das Beobachten und baut Realitäten auf – nur um sie sofort wieder aufzulösen. In “Mitleidsprotokoll – every tear recorded” steht die Kamera als Bühnenmittel und Requisit für einen archivarischen Zwang – dem Bedürfnis Guiberts alles festzuhalten, aufzuzeichnen und sichtbar zu machen, bevor es verschwindet.

    “Mitleidsprotokoll – every tear recorded” stellt sich dabei auch dem Paradox, dass queere Zukunftsvisionen aus Erinnerungen an Schmerz, Stigmatisierung und Verlust hervorgehen müssen. Hervé Guibert stirbt am 27. Dezember 1991. 35 Jahre später erinnert unsere Produktion an ihn, sein Leben und Schaffen, und versucht, sich an die Menschen, die vor uns versucht haben, queeres Leben zu leben, zu erinnern – ihre Geschichten (wieder) öffentlich zu machen.

  • Maggie Nelson hat zur Neuauflage von Hervé Guiberts Roman geschrieben: „Das war’s? So endet es? Guibert tief in der Scheiße, seine Arme und Beine so dünn, wie sie waren, als er ein Kind war?“ (2021). Und während wir die Proben für “Mitleidsprotokoll – every tear recorded” vorbereiten, frage ich mich immer wieder: Wieso sollte man eine Geschichte mit einem so bedingungslos schlechten Ende erzählen? Aber auch: Wieso habe ich seit Längerem das Gefühl, ich sollte zu unserem Projekt immer wieder dazusagen: “Ja, wir beschäftigen uns mit Guibert, obwohl es so traurig ist”. Als wollte ich sagen: “Es tut mir ja leid”.

    Zunächst ist da die Sorge, ein Spielverderber zu sein. Die Queertheoretikerin Heather Love schreibt über die Angst, queere Geschichten zu erzählen, obwohl diese schlecht enden. Es gehe um die Scham, mit diesen Enden irgendwie auch über sich selbst zu sprechen. Über die Sorge, selbst ein schlechtes Ende zu leben. Aber eben auch um die Scham, anderen zuzumuten, sich mit Gewalt, Leid und Tod auseinandersetzen zu müssen. Wieso also Spielverderber sein?

    Maggie Nelson bringt mich auf eine Fährte, wenn sie ihre selbst gestellte Frage mit: „Ja, das ist alles, was du bekommst.“ beantwortet. Und auch Guibert selbst antwortet im Interview, als er nach der Romanstelle gefragt wird, in der der Erzähler sich die Lippen wäscht, nachdem er die Hand des AIDS-kranken “Muzil” geküsst hat: „Ja, es ist schrecklich, das zu schreiben, es ist wahr. Die Wahrheit selbst ist grausam.“ (TF1, 1990). Beide Antworten verweisen auf das, was man “Wahrheit” nennen kann. Und die Wahrheit hat einen besonderen Anspruch, denn sie muss ausgesprochen werden. Das nicht zu tun, hieße zu lügen, hieße zu verheimlichen und am Ende zu vergessen.

    Damit sind wir natürlich direkt bei Guiberts zentralem Projekt, dem der „Selbstenthüllung und des Aussprechens des Unsagbaren“. Ein Projekt, das vielleicht am besten in einem Zitat Guiberts aus einem Interview zusammengefasst wird: „Ich werde verschwinden und nichts verborgen haben.“ (Globe, Feb/1992). Mit „nicht verbergen“ unterstreicht Guibert den kontroversen Wahrheitsanspruch seines künstlerischen Schaffens. Denn verbergen kann man eben nur etwas, das es gibt. Deswegen ist das Verbergen auch dem Vergessen so nahe – denn auch vergessen kann man nur etwas, das es einmal gab.

    In seinen Arbeiten hat Guibert natürlich gelogen, zugespitzt, angeordnet – doch immer will er die Dinge zeigen, so wie er sie sieht. Egal, wie kritisch man dem gegenübersteht, man muss feststellen: Es ist wahr, seinen Blick auf seine Welt hat es gegeben. Manchmal ist er vielleicht unfair, schwer auszuhalten, manchmal hoffnungs- und schonungslos, aber gegeben hat es ihn. Und ja, Guibert hat es in Kauf genommen, Menschen, die das wahrscheinlich nie wollten, in die Öffentlichkeit zu ziehen. Er hat es selbst ein „Verbrechen“ genannt, wurde als Verräter und Spielverderber geschimpft, aber er hat sich seinem Projekt verpflichtet und ist damit seiner „Wahrheit“ vermutlich sehr nahe gekommen.

    Natürlich hinkt der Vergleich: So weit wie Guibert muss man nicht gehen, wenn man sich entscheidet, seine Geschichte(n) zu erzählen. Er wollte ja nichts verbergen, seine Werke sind Einverständniserklärungen. Aber selbst ohne den Verrat und die Schonungslosigkeit lässt sich mit seinem Anspruch, “nichts zu verbergen”, eine Antwort formulieren auf die Frage: Wieso Guibert? Es gibt seine Texte nun mal. Sie unberührt im Regal zu lassen, hieße, sie zu verbergen und ja, sie zu vergessen. Das kann keine Lösung sein.

    Es geht also darum, etwas auszusprechen, obwohl es wehtun könnte. Doch was genau tut weh? Ich kann die Scham sehr gut verstehen, sich mit der Verbindung zwischen Queerness und Verlust (eng. “loss”) auseinanderzusetzen. Aber wenn man sich dem Projekt „nichts zu verbergen“ verschrieben hat, dann muss man sich auch dem annehmen, was Guibert mit „Ich werde verschwinden…“ meint – sein Leiden, seinen nahenden Tod. Und das tut natürlich weh.

    Heather Love schreibt von einer Zerrissenheit in der queeren Geschichtsschreibung, in der es einerseits darum geht, die Verbindung zwischen Queerness und Verlust verstehen und einordnen zu wollen, aber andererseits die Existenz dieser Verbindung streng zu widerlegen – zu beweisen, dass sie nicht das Schicksal aller queerer Menschen (schon und für immer) ist. Und ja, gerade die AIDS-Krise zeigt, wie schwierig es ist, über diese Verbindung zu sprechen. Denn HIV und AIDS sind natürlich medizinisch nicht notwendig queer. An einem tödlichen Virus zu leiden oder zu sterben, ist nicht queer.

    Doch die AIDS-Krise ist auch ein historisches Ereignis, das von politischen Stimmungen und Entscheidungen geprägt wurde. Die Geschichten der AIDS-Krise sind (oft) solche von queeren Menschen, die allein und zurückgelassen wurden, die in ihrem Leid gedemütigt und beschuldigt wurden. Damit reihen sie sich politisch und historisch ein in eine fortlaufende Geschichte. Diese Einsicht allein tut weh. Ja, Joan Nestle schreibt in ihrem Plädoyer für eine queere Geschichtsschreibung: „Ich kann mich nicht abwenden. Meine Wurzeln liegen in der Geschichte einer Gemeinschaft, deren Mitglieder ‘Freaks’ genannt wurden.“ (2024) Es geht darum, sich nicht abzuwenden von denen, die vor einem kamen, obwohl das natürlich wehtut.

     

    An dieser Stelle muss ich kurz einen Gedanken teilen, der wahrscheinlich mehr als die zurückliegenden durch die Scham, ein Spielverderber genannt zu werden, zurückgehalten wird. Der Gedanke einer queeren Gemeinschaft, die den Blick von ihren Vorgänger*innen abwendet, kann nur in einer Erzählung funktionieren, in der sich ein Happy End an das nächste reiht. Dabei lässt man beispielsweise so etwas wie die AIDS-Krise, ihre Wirkung auf Politik, Gesellschaft und nicht zuletzt die queeren Menschen selbst aus. Aber man verkennt auch die Situation, in der sich queere Menschen heute befinden. Von der ansteigenden Gewalt gegenüber queeren Menschen kann man sich nicht abwenden – denn mit ihr sind unsere Vorfahr*innen und wir gemeint.

    Wenn wir uns also von den schlechten Enden nicht abwenden können, wenn wir uns verbunden fühlen mit denen, die vor uns da waren, wenn wir sie „nicht verbergen“ wollen – dann lohnt es, sich an einem „Blick zurück“ zu orientieren, der mir spezifisch queer zu sein scheint. Die Inschrift des Instituts für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in Berlin lautete: „Der Liebe und dem Leid gewidmet“. Und auch Joan Nestle schreibt über den Blick zurück: „Ich feiere und trauere gleichzeitig.“ Es ist mir wichtig, dass vergangene Happy Ends Inspiration sein können, dass wir neue Happy Ends ausprobieren und beide utopisch und aktivistisch erzählen müssen. Aber wenn es darum geht, “nichts zu verbergen”, niemanden zurückzulassen, dann müssen wir eben auch von den schlechten Enden erzählen. Und von schlechten Enden zu erzählen, das bedeutet, ein Risiko einzugehen – aber wo das Risiko liegt, da lohnt es sich oft, etwas trotzdem zu machen.

  • Über dem Raum schweben die Worte: „Jemand, glaube ich, wird sich in der Zukunft an uns erinnern“. Dieser Satz wird der antiken griechischen Dichterin Sappho zugeschrieben, deren Gedichtsfragmente bis heute als Symbol für Liebe und Begehren zwischen Frauen fortleben. Über die Zeit hinweg ruft Sappho die Hoffnung aus, dass queere Leben nicht in der Stille verschwinden werden. In “Mitleidsprotokoll – every tear recorded” antworten wir auf diesen Ruf.

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    In Anlehnung an unseren Titel entfaltet sich das Bühnenbild – bestehend aus fünf Ringen, die in den Raum hängen – als Archiv und Gedenkstätte zugleich. Sie schaffen einen Ort der Erinnerung an die Menschen, die während der AIDS-Krise ihr Leben verloren haben. Jeder Ring steht dabei für einen eigenen Ansatz von Archivierung, Erinnerung und Zeugenschaft. 

    Der höchste Ring mit dem Zitat ist eine Prophezeiung und zugleich ein Denkmal. Er wendet sich an jedes verlorene queere Leben und bezeugt, dass jede Träne aufgezeichnet und keine Geschichte vergessen wird. Durch seinen Manifestationscharakter („… glaube ich …“) macht er zudem den Aufschlag, dass auch gegenwärtige queere Menschen sagen können: „Ich glaube daran, auch an mich wird man sich erinnern.“

    Der zweite Ring ist eine Hommage an die Menschen, die Hervé Guiberts Leben und Werk geprägt haben. Auf halbtransparentem Stoff erscheinen Michel Foucault, Isabelle Adjani, Thierry Journo sowie Guiberts Großtanten Suzanne und Louise. Ergänzt werden sie durch Verweise auf Kunstwerke aus Guiberts fotografischem und literarischem Universum, darunter Rembrandts “Jugendliches Selbstbildnis” (1629) und Jules Bastien-Lepages “Le Martyre de Saint Tarcisius” (o. D.), das das Cover der französischen Ausgabe von “Mitleidsprotokoll” ziert.

    Der dritte Ring bedient sich einer sakralen Ästhetik. Auf zartem, bedrucktem Papier, das an Kirchenfenster erinnert, sind collagierte Objekte aus Guiberts Fotografien zu sehen. Wie Reliquien werden sie zu bedeutungsvollen Überbleibseln. Diese spirituelle Atmosphäre verweist auf zentrale Themen in Guiberts Werk: Leiden, Sterblichkeit, Mitgefühl sowie einen Körper, der zugleich intim und öffentlich ist.

    Der vierte Ring durchbricht diese Stille mit Licht und Bewegung. Drei in einen achteckigen Rahmen eingelassene Bildschirme zeigen eine Mischung aus vorproduzierten und Live-Videos. Er nimmt Bezug auf technologische Experimente der 1980er Jahre und auf Guiberts Offenheit gegenüber neuen Formen der Selbstdokumentation – jenseits von Text und Fotografie.

    Der fünfte Ring ist der kleinste und zerbrechlichste. Detailreich und skelettartig zeigen seine von Guiberts Fotografien inspirierten Muster und Motive Geländer, Zäune, Tore und Bettrahmen. Ihre Metallskelette stehen im Kontrast zu den weichen Körpern und Stoffen der Bilder Guiberts.

    Die kreisförmige Gestalt der Ringkonstruktion ist zudem von der Mechanik der Fotografie inspiriert – von Kamera und Augenlinse bis zum Kaiserpanorama, Panoptikum und zur Wundertrommel. Zusammen formen sie eine kronleuchterartige Struktur in einem Raum, der an einen französischen Salon des 19. Jahrhunderts erinnert, ähnlich den Räumen aus Guiberts Texten und Fotografien. In “Mitleidsprotokoll – every tear recorded” verschmilzt der Raum zwischen Wohnzimmer und Fernsehstudio, Preisverleihung und Krankenstation.

    Die fünf konzeptionell unterschiedlichen, aber miteinander verbundenen Ringe umkreisen einander wie ein Sonnensystem: mal monumental zum Gedenken an verlorene queere Leben, mal lebhaft und technisch, schließlich zerbrechlich und zart.

„Ich werde verschwinden und nichts verborgen haben.“ – Hervé Guibert (Globe, 1992)

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© Hans Georg Berger

ABSCHLUSSINSZENIERUNG

OTTO FALCKENBERG SCHULE,

IN KOOPERATION MIT DEN MÜNCHNER KAMMERSPIELEN,

UNTERSTÜTZT VON DER RICHARD STURY STIFTUNG

PREMIERE

19. FEBRUAR 2026

WERKRAUM,

MÜNCHNER KAMMERSPIELE

WEITERE VORSTELLUNGEN


08. UND 09. MAI 2026

WERKRAUM,

MÜNCHNER KAMMERSPIELE

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29. JANUAR 2026

every tear recorded (Sneak Peak)

HABIBI KIOSK,

MÜNCHNER KAMMERSPIELE

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