Thanks for Listening
– Drei einsame Begegnungen mit einer Kuh, einem Roboter und einem Felsen
Unter dem Titel „Thanks for Listening“ bringen wir drei Geschichten auf die Bühne, in denen Menschen nicht-menschlichen Individuen begegnen: einer Kuh, einem Roboter und einem Felsen. Diese Begegnungen drehen sich um den Versuch, Einsamkeit zu überwinden und Beziehungen zu stiften – über die Grenzen der Spezies hinweg. Zentral ist dabei You – eine eigens für die Produktion entwickelte, sich bewegende Skulptur von Amon Ritz, die Kuh, Roboter und Felsen auf der Bühne verkörpert.
Urs Mannhart erzählt in „Lentille. Aus dem Leben einer Kuh" die wahre Geschichte seines Versuchs, eine Kuh nach einer Totgeburt in ihrer Trauer zu begleiten. Für uns ist das der ersteAnlass, darüber nachzudenken, was man über das Erleben eines (tierischen) Gegenübers eigentlich sagen kann.
In der zweiten Begegnung dreht sich die Fürsorgebeziehung um. Zudem wird neben Mensch und Tier etwas Drittes eingeführt: die Roboter und Automaten, die uns schon längst zum Gegenüber geworden sind. In dem Theaterstück „Sayonara" von Oriza Hirata versucht ein Roboter, für einen Menschen da zu sein, der bald sterben wird — indem er ihm Gedichte aufsagt.
Die dritte Begegnung ist die zwischen einem Menschen und einem Stück Felsen. Essays von Sophia Roosth und James Bridle waren dabei Anlass für einen Text, der während der Proben entstanden ist. Euphorisch wird hier klar: Die Auflösung von Einsamkeit muss in dem stecken, was wir Umwelt nennen und Leben muss nicht immer eindeutig und vollständig sein.
© Sabrina Lößl-Lamboy

Regie, Raum: Ruben Müller
Kybernetische Skulptur „You“: Amon Ritz
Kostüme: Jacqueline Elaine Koch
Gemälde “Work”: Ruben Alexander Müller
Dramaturgie: Paulina Wawerla
Bewegungsdramaturgie: Jana Baldovino
Musikalische Proben: Axel Humbert
Technische Produktionsleitung: Adrian Bette
Mit besonderem Dank an Urs Mannhart, den Matthes & Seitz Verlag, Oriza Hirata und Prof. Dr. Cody Poulton.

Max Faatz
© Sabrina Lößl-Lamboy

Paula Aschmann

Charlotte Hovenbitzer
Drei einsame Begegnungen
Unter dem Titel „Thanks for Listening" bringen wir drei Geschichtenauf die Bühne, in denen Menschen nicht-menschlichen Individuen begegnen: einer Kuh, einem Roboter und einem Felsen. Diese Begegnungen drehen sich um den Versuch, Einsamkeit zu überwinden und Beziehungen zu stiften – über die Grenzen der Spezies hinweg. Zentral ist dabei You – eine eigens für die Produktion entwickelte, sich bewegende Skulptur von Amon Ritz, die Kuh, Roboter und Felsenauf der Bühne verkörpert.
Lentille. Aus dem Leben einer Kuh
Urs Mannhart erzählt in „Lentille. Aus dem Leben einer Kuh." die wahre Geschichte seines Versuchs, die Kuh Lentille nach einer Totgeburt in ihrer Trauer zu begleiten. Für uns ist das der erste Anlass, darüber nachzudenken, was man über das Erleben eines (tierischen) Gegenübers eigentlich sagen kann: Wasist ausdem Verhalten der*des Anderen abzuleiten? Wann ist er*sie einfach nicht zu verstehen? Und wann projizieren wir eigeneWünsche in das Gegenüber? You als Kuh trifft dafür auf Paula Aschmann und wechselt zufällig zwischen mehreren Bewegungsprofilen.
Mannharts Essay setzt sich immer wieder auch mit wissenschaftlichen Versuchen auseinander, Auskunft über das Wohlbefinden und Erleben von Tieren zu geben. Was am Ende übrig bleibt, sind jedoch anekdotische Wahrheiten und empathische Tatsachen, die sich dem Unfassbaren in der Begegnung mit einem Gegenüber annehmen. Dass Lentille trauert, steht nicht mehr infrage - doch wie soll man damit umgehen, dassman eseinfach nicht beweisen kann.
Sayonara
In der zweiten Begegnung dreht sich die Fürsorgebeziehung um. Zudem wird neben Mensch und Tier etwas Drittes eingeführt: die Roboter und Automaten, die uns schon längst zum Gegenüber geworden sind. In dem Theaterstück „Sayonara" von Oriza Hirata versucht ein Roboter, für einen Menschen da zu sein, der bald sterben wird - indem er ihm Gedichte aufsagt.
You als Roboter spricht nun, hält jedoch Charlotte Hovenbitzer durch einen Sensorinteraktiv auf Abstand. Offen bleibt dabei: Reicht es manchmal, dass man ein Gespräch führen kann – dass einem zugehört wird und dass man zuhört? Wo findet man Begegnung, obwohl man sie nicht erwartet?
Was ist Leben?
Die dritte Begegnung ist die zwischen einem Menschen und einem Stück Felsen – genauer gesagt, einem Stromatolithen. Essays von Sophia Roosth und JamesBridle waren dabei Anlass für einen Text, der während der Proben entstanden ist und in dessenZentrum zwei Gedanken stehen: Erstens, dass ein Stromatolith zwar ein Stein ist, aber aus vielen, (einst) lebendigen Mikrobenmatten besteht. Und zweitens, dass die Komponenten unserer modernen Technik, unserer Festplatten und Batterien, im Grunde nur Steine und andere Stoffeaus unserer Umwelt sind, die ihre Form verändert haben.
Euphorisch lässt sich so feststellen, dass offensichtlich alle Spezies, alle Akteur*innen und alles, was Anderes beeinflusst, immer schon zusammengehört – Was ist denn nicht Leben? Die Auflösung von Einsamkeit muss in dem stecken, was wir Umwelt nennen. You als regloser Stein steht in dieser Versuchsanordnung Max Faatz gegenüber. In ihrer Auseinandersetzung wird klar, dass Leben nicht immer eindeutig und vollständig sein muss – sondern dass das Suchen und Experimentieren, das Abbrechen und Neuansetzen im Umgang mit dem Gegenüber, das Auflösen von Einsamkeit bedeuten könnte.
There Will Come Soft Rains
Das Gedicht „There Will Come Soft Rains" von Sara Teasdale aus 1918 und die gleichnamige Kurzgeschichte von Ray Bradbury von 1950 bilden einen Rahmen für „Thanks for Listening". Beide Texte befassen sich mit der Idee, dass die Menschheit von keinem Tier und keinem Roboter vermisst werden würde, sollte sie aussterben – oder sich selbst abschaffen. Die Episoden unseres Abends versuchen, sich dazu in Beziehung zu setzenund gleichzeitig eine aktualisierte Version der sanften Regen vorzuschlagen. Ein solcher Versuch ist auch das Gemälde „Work" des bildenden Künstlers Ruben Alexander Müller, das als Reproduktion die ansonstenfast leere Bühne füllt.

„Natürlich würde es keiner erfahren, wenn ich gegangen bin.
Natürlich. Aber –“

OTTO FALCKENBERG SCHULE,
Mit Unterstützung der Richard Stury Stiftung
Premiere
02. MAi 2025
WERKRAUM,
Münchner KAMMERSPIELE
WEITERE VORSTELLUNGEN
13. und 14. MAI 2026
WERKRAUM,
Münchner KAMMERSPIELE

















